Skala zur Messung medialer Zeiterfahrungen erschienen  [23.03.26]

Wie viel Zeit wir vor dem Bildschirm verbringen lässt sich mit einem Blick auf die Uhr einfach ablesen, aber unser Gefühl sagt manchmal etwas vollkommen anderes. Jana Dombrowski und Sabine Trepte schlagen deshalb das neu entwickelte Konzept der „gefühlten Zeit“ (Felt Time) vor, welches erlaubt die Zeit so zu erfassen, wie Menschen sie tatsächlich während der Mediennutzung erleben.

Quelle: Methods and Measures

 

Die Zeit verfliegt, wenn wir mit der Familie telefonieren. Sie zieht sich, wenn wir auf ein Software-Update warten. Und manchmal scheint sie sogar stillzustehen, wenn wir ganz in einen Film eintauchen. Zeit wird eben nicht nur gemessen – sie wird erlebt. Um diese subjektiven Zeiterfahrungen besser zu verstehen, schlagen wir in unserem neuen Artikel das Konzept der „gefühlten Zeit“ (engl. felt time) vor. Es soll Forschenden und Interessierten helfen zu beschreiben und zu messen, wie Menschen das Vergehen von Zeit während der Mediennutzung wahrnehmen.

In zwei Studien mit mehr als 1.000 Mediennutzer:innen haben wir untersucht, wie sich Bildschirmzeit tatsächlich anfühlt. Daraus entstand unter anderem die Felt Time Scale (FTS) und dessen Kurzversion (FTS-S) – Instrumente, mit denen Forschende unterschiedliche Zeiterfahrungen bei der Mediennutzung innerhalb von Befragungen erfassen können.

Unsere Ergebnisse zeigen: Wie Menschen Zeit mit Medien erleben, lässt sich nicht durch die Bildschirmzeit in Stunden und Minuten beschreiben. Ebendieses Zeitgefühl hängt jedoch eng mit Medienerfahrungen zusammen, die seit langer Zeit Forschende beschäftigen – etwa damit, ob Menschen sich gut unterhalten fühlen, ob sie in einen Flow geraten, ob sie Schuldgefühle gegenüber der Nutzung entwickeln oder sogar, ob sie zu problematischen Nutzungsmustern neigen. Das Fazit: Wie viel Zeit Menschen tatsächlich mit Medien verbringen, ist manchmal zweitrangig. Entscheidend ist, wie sich diese Zeit für sie anfühlt.

Damit schlägt der Artikel auch eine neue Richtung ein. Die Frage wie viele Stunden und Minuten Menschen am Tag mit Medien verbringen, beschäftigt die Kommunikationswissenschaft seit Anbeginn. Viele Studien ließen jedoch Zweifel an der Aussagekraft der tatsächlich mit Medien verbrachten Zeit entstehen. Anstatt mit neuen Methoden, wie Tracking oder Logging, die immer genauere Messung der Mediennutzungszeit zu versuchen, ist unser Vorschlag den Fokus auf die Zeit zu legen, so wie sie tatsächlich erlebt wird.

Der Artikel ist in der Fachzeitschrift Communication Methods and Measures erschienen: https://doi.org/10.1080/19312458.2026.2627548


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